In Deutschland gibt es nur eine Verwandtschaftsbeziehung, bei der der Gesetzgeber ausdrücklich vorsieht, dass eine Person über das Handeln einer anderen die Verantwortung übernimmt und für sie Entscheidungen trifft: die zwischen Eltern und ihren minderjährigen Kindern.
Das führt in dem Augenblick zu Problemen, in denen ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, für seine Interessen einzutreten. Davon sind nicht nur Ältere betroffen, die beispielsweise an einer Demenz erkrankt sind. Es kann jeden Tag jeden Menschen treffen: Schon ein Sturz mit dem Fahrrad kann zu einer schweren Kopf- und damit Hirnverletzung führen, sodass der Verletzte nicht mehr in der Lage ist, für seine Interessen einzutreten. Damit in solchen Situationen nicht ein Familiengericht einen völlig fremden Menschen zum Betreuer bestellen muss, sollte frühzeitig vorgesorgt werden.

Mit einer Vorsorgevollmacht kann dieses Problem auf einfachem Weg gelöst werden. Es genügt bereits ein handschriftlich aufgesetzter Text, in dem festgehalten wird, welche Personen sich im Ernstfall um Entscheidungen, die die Finanzen, die Gesundheit oder auch den ständigen Aufenthalt des Vollmachtgebers betreffen, kümmern. Die bevollmächtigte Person ist völlig frei wählbar, der Ehe- oder Lebenspartner muss nicht bevorzugt werden.

Viele Menschen tun sich schwer damit, eine geeignete Person mit einer Vorsorgevollmacht zu betrauen: Da der Bevollmächtigte umfassend im Sinne des Vollmachtgebers entscheiden soll, muss zwischen diesen beiden Menschen ein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis bestehen. Außerdem sollte vor jeder Vorsorgevollmacht ein gründliches Gespräch zwischen diesen beiden Personen geführt werden. Bei Ehepaaren ist es gang und gäbe, dass der eine Partner den jeweils anderen mit einer Vorsorgevollmacht ausstattet. Das kann jedoch im höheren Alter zu Schwierigkeiten führen: Wenn der bevollmächtigte Ehepartner selbst nicht mehr in der Lage ist, für den anderen eine weit reichende Entscheidung zu treffen, kann es letztendlich doch zu der (ungewollten) Bestimmung eines Betreuers durch das Familiengericht kommen. Deshalb sollten noch für weitere Personen Vorsorgevollmachten ausgestellt werden, die dem Vollmachtgeber nahe stehen. In der Regel kommen hierfür die eigenen Kinder, Geschwister oder sehr enge Freunde in Betracht.

Das Vorliegen einer Vorsorgevollmacht hilft bereits, noch bevor ggf. eine Entscheidung getroffen werden muss. Ist z. B. ein Unfall passiert, entbindet sie die behandelnden Ärzte im Krankenhaus gegenüber dem Bevollmächtigten von der Schweigepflicht. Er kann dann entscheiden, wie weiter verfahren werden soll. Die Entscheidungsbefugnis schließt eine Bandbreite von der weiteren Behandlung im Krankenhaus bis hin zur Beantragung einer Pflegestufe oder der Haushaltsauflösung mit ein.
Einfache Vorsorgevollmachten decken jedoch nicht das gesamte Entscheidungsspektrum ab. Spätestens dann, wenn der Bevollmächtigte auch über den Kauf oder  Verkauf von Grundbesitz oder die Aufnahme von Krediten entscheiden soll, ist eine notarielle Beurkundung vorgeschrieben. Hierfür werden Gebühren erhoben, die sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz richten und einschließlich aller Pauschalen zwischen 60 und 1.735 EUR betragen können. Die Gebührenhöhe wird maßgeblich durch die Höhe des Vermögens bestimmt. Notariell beglaubigte Vorsorgevollmachten können darüber hinaus den Kontakt mit Geldinstituten erleichtern, da sie im Gegensatz zu einfachen Vollmachten ohne eine Einschränkung akzeptiert werden.

Die Patientenverfügung wird oft in einem Atemzug mit der Vorsorgevollmacht genannt. Tatsächlich werden beide von vielen Vollmachtgebern gleichzeitig ausgesprochen. In einer Patientenverfügung wird festgelegt, in welchen Krankheitssituationen bestimmten Behandlungen zugestimmt wird - oder eben auch gerade nicht. Damit kann der Einzelne erreichen, dass er vor einer Fremdbestimmung geschützt wird, wenn er sich selbst nicht mehr äußern kann. Ebenso wie die Vorsorgevollmacht kann eine Patientenverfügung frei formuliert werden. Um Missverständnisse und Irrtümer weitestgehend auszuschließen, sollte die Entscheidungsbefugnis jedoch so deutlich wie möglich formuliert werden. Wer sich damit überfordert fühlt, kann auch hier auf vorformulierte Dokumente aus dem Internet zurückgreifen. Die meisten Menschen dürften jedoch nicht über ausreichende medizinische Fachkenntnisse verfügen, um über das Für und Wider einer einzelnen Entscheidung umfassend im Bilde zu sein. Deshalb raten Fachleute, zuvor ein Gespräch mit dem Hausarzt zu führen, der wichtige Hinweise auf die Tragweite jeder einzelnen Entscheidung geben kann.

Sowohl Vorsorgevollmachten als auch Patientenverfügungen können nur rechtswirksam ausgestellt werden, wenn der Vollmachtgeber zum Zeitpunkt der Beurkundung geschäftsfähig war (§ 104 BGB). Für die Ausstellung einer Patientenverfügung werden darüber hinaus die Volljährigkeit und die Einwilligungsfähigkeit des Vollmachtgebers vorausgesetzt (§ 1901a BGB).